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Post-Jazz-Quartett 'The Great Harry Hillman'

Samstag, 03.02.2018; 20:00 Uhr

Zum ersten Mal in Einbeck stellen sich die vier kreativen Musiker von "Thea Great Harry Hillman" mit ihrem übermütig-subtilen Sound den Jazzfreunden der TangoBrücke vor. Die Band hüllt ihr Publikum in fein konstruierte Klanggewebe von großer Schönheit, sprüht vor Energie und Humor, ohne an musikalischer Tiefe zu verlieren. Nach Livingston (2013) und Veer Off Course (2015) präsentiert The Great Harry Hillman nun ihr drittes Album TILT (2017), produziert vom amerikanischen Label Cuneiform Records.

The Great Harry Hillman ist ein Post-Jazz-Quartett mit

  • David Koch an Gitarre und Effekten, 
  • Nils Fischer am Saxophon, 
  • Samuel Huwyler am Bass und 
  • Dominik Mahnig am Schlagzeug.

Die vier Musiker kommen aus Luzern, der Seenstadt in der Zentralschweiz.

Der Bandname geht auf einen amerikanischen Hürdenläufer zurück, der 1904 an den Olympischen Spielen in St. Louis drei Goldmedaillen gewann. Die Band merkte sich diesen Exploit und gewann ihrerseits 2015 den ZKB-Jazzpreis im Moods (Zürich). The Great Harry Hillman wurde 2009 gegründet – 105 Jahre nach Hillmanns Triumph. Seither haben die vier Musiker fast hundert Konzerte gegeben, bei Jazzfestivals und auf ausgiebigen Touren in Europa und Japan.  

Klar, eine Band, die ihren Namen einem Athleten widmet, hält sich nicht an Konventionen. The Great Harry Hillman verwebt Jazz, Rock und Improvisation zu einem vielschichtigen, packenden Sound, der Fans wie die von Radian oder Tortoise, aber auch von Jazzmusikern wie Nik Bärtschs Ronin oder Mary Havorson gleichermaßen ansprechen wird. Mahnigs Spiel ist leichtfüßig, doch eindringlich, seine Snare tickt wie eine elegante Armbanduhr, wenn er Rhythmen rasselnd und pulsierend umschichtet. In Kochs Spiel an der Gitarre geht es sowohl um Atmosphäre wie um Riffs. Der Klimax von “354°“ dröhnt wie bei Sonic Youth, mit langen Schreiausbrüchen Fischers an der Bassklarinette. Huwylers Bass klingt zuweilen fast wie Dub-Musik, bleibt stets subtil und trotzdem kraftvoll präsent, was selbst den abstraktesten Stücken ("Agnes fliegt") einen soliden Kern verleiht. Während Fischer klar Melodie führt, bleibt Huwyler gerne im Hintergrund und kommentiert die Impulse der andern.

The Great Harry Hillman versteht sich als Kollektiv. Niemand dominiert den kreativen Prozess. „Die Musik stammt von allen Bandmitgliedern“, halten sie fest. „Jeder bringt Stücke, Fragmente, oder was auch immer, und wir verarbeiten diese gemeinsam. Alles wird zusammen entschieden.“ Und: „Gerade weil wir alle woanders herkommen und in verschiedenen Genres arbeiten, ist es essenziell, für jegliche gegenseitige Einflüsse offen zu sein.“

Die Kompositionen der Band sind komplex, dabei frei von akademischer Sprödheit. Immer wieder bricht herumalbernder Übermut durch, zeigt sich auch auf den Bandfotos, die weiterhin clever auf das Thema Sport anspielen, sowie in den kreativen YouTube-Videos. Das 360°-Video zum Album Tilt ist eine künstlerische und technische Glanzleistung, die sich mit einem Danny-Elfman-Film vergleichen lässt.

Die Songs kommen mit obskuren Titeln wie “Strengen denkt an”, “How to Dice an Onion” oder “Moustache” daher. Sie fließen nahtlos ineinander, behalten aber ihren eigenen Charakter. Jeder Song erzeugt seine eigene starke Stimmung. „Es ging uns nicht um ausgedehnte Solos, sondern um einen überzeugenden Bandsound.“, sagen sie.

"Tilt" ist das bisher beste Album von The Great Harry Hillman: ruhig, doch kraftgeladen, gespielt von vier aufmerksamen Musikern. Es gibt in der Musik keine Goldmedaillen zu gewinnen (außer man zählt goldene Alben dazu), doch The Great Harry Hillman hat seinen Platz auf dem Podium der Kunst verdient.



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